Ein Psychoanalytiker „inside the mind of President Bush“

Ein interessantes Webangebot ist FORA.tv„The Brilliant Ideas Network for Video Discourse and Debate“. Dort findet sich u.a. ein wahres Prachtexemplar von einem Psychoanalytiker, Justin Frank, der in einer Psycho-Biografie George W. Bush auf die Couch gelegt hat und uns nun wissen lässt, was er „inside the mind of President Bush“ gefunden hat.


Frank befasst sich eingehend mit der Psychodynamik der Persönlichkeit des amerikanischen Präsidenten – mit seinen gravierenden inneren Konflikten, seinen Ängsten und den unreifen Abwehr- und Bewältigungsmechanismen, die er kompensatorisch entwickelt hat. Er berichtet über zahlreiche gut dokumentierte Details aus der Lebensgeschichte von George W. – über den höchst merkwürdigen Umgang der Familie mit dem Tod seiner kleinen Schwester, die an Leukämie starb, als George sieben war, über die Neigung des späteren Präsidenten zu vielerlei Grausamkeiten, angefangen von Fröschen, die der Zehnjährige mittels Feuerwerkskörpern in die Luft sprengte, bis zum physischen Malträtieren von jüngeren Kommilitonen durch den Studenten George W. Bush. Der Psychoanalytiker setzt sich außerdem mit dem langjährigen Alkoholismus des Präsidenten auseinander und geht auf das fragwürdige Heilmittel ein, das Bush im Alter von 40 Jahren für sich entdeckte, die Religion, bzw. seine ganz besondere Beziehung zu Gott, von der er selbst freimütig erzählt hat.
Auf das Verhältnis von Bush zu seinem Vizepräsidenten Cheney angesprochen erläutert Frank seine Einschätzung, dass Dick Cheney zwar „mean“ sei, George Bush im Grunde seines Herzens hingegen „cruel“:

An einer Stelle lässt er sich zu dem typischen altbackenen Analytikerjargon hinreißen – als er seine Zuhörer für den Gedanken gewinnen will, in der unbewußten interpersonellen Dynamik zwischen beiden sei Cheney „der Penis von Bush“. Er meint damit, Bush habe seinen sogenannten phallischen Charakteranteil an Cheney, den alten Haudegen, delegiert.

Mag schon sein, aber dieser Sprachgebrauch hat sich außerhalb psychoanalytischer Zirkel gottlob nicht durchgesetzt, und das wird er auch weiterhin nicht. Er trägt jedoch dazu bei, uns Psychoanalytiker von unserem wissenschaftlichen Umfeld zu isolieren – und gibt uns zudem der Lächerlichkeit preis.

Hier der Link zu dem insgesamt hochinteressanten einstündigen Vortrag von Justin Frank über seine Bush-Biografie, in dem er auch Bezüge zum gegenwärtigen Wahlkampf herstellt. Der engagierte Psychoanalytiker schreibt übrigens Blogbeiträge in der renommierten Huffington Post.

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Es geht weiter

Nach einer längeren (Denk-) Pause habe ich mich entschlossen, den Blog in veränderter Form weiterzuführen: mit kürzeren Artikeln, stattdessen aber mehr Videos und vor allem Hinweisen auf interessante Webinhalte, die mir auf meinen Ausflügen in die Weiten des Netzes begegnen.

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