„School Shooting“: Die psychologische Ebene im Spiegel der Presse

„Wer in seinen Tod etliche Unbeteiligte grausam mitreißt, kämpft ein letztes Mal um Aufmerksamkeit.“ Dem individuellen Seelenleben von Amokläufern bzw. Menschen, die an ihrer Schule oder Universität ein Massaker vollziehen, widmet sich Wenke Husmann in der „Zeit“. Es sei „keine neue psychopathische Verwirrung, die da über junge Menschen kommt, die sie in eine rasende Vernichtungswut treibt und oft genug in den eigenen Tod.“ Ausgehend von der Rache der gedemütigten Medea beschreibt Husmann „die Rachsüchtigen“ als einen von vier Typen von Selbstmördern:

„Sie malen sich aus, wie sich die anderen nach der Tat in Vorwürfen zerfleischen mögen, über den Rächer sprechen und ins Grübeln geraten. Dieses eine und letzte Mal wenigstens. (…) Der Selbstmörder kann sich seine Rache in den schillerndsten Farben ausmalen.“

Die Erklärungen der FAZ greifen ebenfalls vorwiegend die individuelle psychische Situation des Täters auf. Der Tat würde oft eine „fortschreitende seelische und soziale Entwurzelung der Täter“ vorausgehen, „etwa durch den Verlust des Arbeitsplatzes oder Versetzungen im Beruf.“ Eine große Rolle spielten auch „Kränkungserfahrungen oder Konflikte mit Lebenspartnern.“ Oft würden die Betreffenden als „unauffällig“ beschrieben, „einer von den ‚Stillen im Lande’“, aggressionsgehemmt und konfliktunfähig.

„Die Taten haben zumeist eine lange Vorgeschichte, in der sich der Täter immer mehr aus seiner Umgebung zurückzieht und sich ein ‚Weltbild‘ zurechtlegt, das mit der Realität immer weniger zu tun hat. Als vermeintlicher Ausweg aus der Misere rückt (…) immer stärker eine gewaltsame Lösung ins Blickfeld: Die Aggressionen des Täters schaukeln sich auf. Die explosionsartigen Mordtaten stehen erst am Ende dieser langen Entwicklung.“

Viele Amokläufer würden ihre Tat „als den letzten großen Showdown“ inszenieren, „mit dem sie sich für alle vermeintlichen Kränkungen und Zurücksetzungen im Leben rächen und ‚es der ganzen Welt zeigen’“.

 

In einem weiteren Artikel der FAZ zur „Psychologie des Amokläufers“ werden Erläuterungen eines Kriminalpsychologen Uwe Füllgrabe wiedergegeben, der Amokläufer als „extrem narzisstische Persönlichkeiten“ beschreibt.

„’Jemand, der nicht beachtet wird, kommt auf die Idee, diesen Zustand durch Gewalt zu verändern.‘ Er entwickele eine Opfermentalität, aus der er das Recht ableitete, sich für erlittene Demütigungen zu rächen und die Gerechtigkeit wiederherzustellen. (…)

Cho plante seinen Amoklauf offenbar von langer Hand, hinterließ eine 23 Seiten lange Erklärung. Füllgrabe bemerkt, dass nur wenige derartige Taten im Affekt ausgeübt würden. Er vergleicht die Entwicklung mit einem Kaskadeneffekt. „Wie bei den Vorbereitungen zu einem Theaterstück fügt sich Kulisse um Kulisse, bis es zur Aufführung kommt.“ Häufig sei der Auslöser dann ein niederschmetterndes Ereignis, das als Zünder wirkt. „Das können Schulprobleme sein. Oder die Trennung von einer Bezugsperson, also Liebeskummer.“

(…) der Amokläufer erlebe das rauschhafte Gefühl der Macht. Bei vielen Amokläufern handele es sich jedoch um einen Menschentyp, der seine Gefühle nicht nach außen dringen lasse.

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